Humboldt-Universität zu Berlin - Philosophy, Science and the Sciences

Winter semester 2021/22

This is a selection of courses offered by faculty of "Philosophy, Science and the Sciences" in the winter semester 2021/22. The regular forum for the doctoral students of the Research Training Group and the Graduate Program in Ancient Philosophy is the Philosophical Colloquium of James Wilberding and Philip van der Eijk, complemented by the Dissertation Seminar of Anna Schriefl. The course list represents a variety of topics that are related to different research fields within the program. For additional courses see the course catalogue of the HU (Agnes) and the course catalogue of the FU. Please select your courses in accordance with your research project, your supervisors’ advice and the requirements of your curriculum.

 

Asper, Markus: Forschungskolloquium Gräzistik (CO)
Das Kolloquium bietet eine thematisch offene Diskussionsplattform für alle, die Qualifikationsarbeiten mit gräzistischen oder gräzistik-affinen Themen schreiben oder schreiben möchten – oder die sonst über gräzistische Fragen forschen. Das Kolloquium findet zweiwöchentlich statt.

Mon 12-14, as of 25 Oct (biweekly), →Agnes

 

Asper, Markus: Apollonios von Rhodos, Argonautika (Ü)

Die Geschichte von den griechischen Helden, die ausziehen, auf einem Wunderschiff das Goldene Vlies weit im Osten zu suchen, und erfolgreich und in Begleitung der Zauberin Medea zurückkehren, kennt schon die Odyssee. Erhalten ist aber nur ein kurzes Epos von Apollonios von Rhodos (3. Jh., Alexandria), sprachlich anspruchsvoll und voller inhaltlicher Rätsel. Wir wollen uns den Text in Ausschnitten ansehen.

Texte: Vian. F. 1974-1981. Apollonios de Rhodes: Argonautiques. 3 Bände, Paris. Fränkel, H. 1961. Apollonii Rhodii Argonautica. Oxford 1961. Dräger, P. 2010. Apollonios von Rhodos: Die Fahrt der Argonauten. Griechisch/Deutsch. Stuttgart.
Literatur: Fränkel, H. 1968. Noten zu den Argonautika des Apollonios. München. Mori, A. 2008. The Politics of Apollonius Rhodius‘ Argonautica. Cambridge. Papanghelis, T.D. & A. Rengakos eds. 2008. Brill’s Companion to Apollonius Rhodius. 2nd. ed., Leiden. Sistakou, E. & A. Rengakos 2014. „Apollonios Rhodios“. In: Zimmermann, B. & A. Rengakos, eds. Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 2: Die Literatur der klassischen und hellenistischen Zeit. München, 158-175.

Mi 14-16,  →Agnes

 

Asper, Markus: Attische Redner (V)

Aus den öffentlichen Reden, die ca. 430-320 in Athen gehalten wurden, stellten die alexandrinischen Grammatiker über hundert Reden von zehn als kanonisch betrachteten Rednern zusammen. Diese Texte, allen voran die Reden des Demosthenes und des Lysias, funktionierten vom 3. Jh. v.Chr. bis ins 20. Jh. als Vorbilder der Produktion von Prosatexten, doch handelt es sich auch um einzigartige Zeugnisse der Tagespolitik, des Alltags, der athenischen kollektiven Moral, der angewandten Logik, der Rechtsinstitutionen in Athen, der Selbstsicht der Athener und der Manipulation vermeintlicher Fakten durch Rhetorik. All das soll in der Vorlesung anhand einzelner Beispiele gezeigt werden. Entstehung, Fokus und Eigenart der entstehenden Rhetoriktheorie werden die Vorlesung abschließen. Diskutierte Passagen werden übersetzt oder paraphrasiert; die Veranstaltung kann auch ohne Griechisch-Kenntnisse besucht werden.

Einführende Sekundärliteratur: F. Blass, Die attische Beredsamkeit, 3. Aufl., Leipzig 1887; E. Carawan, The Attic Orators, Oxford 2007; D. Cohen, Law, Violence and Community in Classical Athens, Cambridge 1995; G.A. Kennedy, The Art of Persuasion in Greece, Princeton 1963; R.M. Smith, “A New Look at the Canon of the Ten Attic Orators”, in: Mnemosyne 48.1, 1995, 66-79.

Do 8:30-10 c.t.,  →Agnes

 

Asper, Markus: Demosthenes, Philippika (orr. 4, 6, 9, 10) (S)

Der Athener Demosthenes (384-322), den die antike Literaturgeschichtsschreibung für den größten Rhetoriker hielt, trat seit etwa 355 v.Chr. auf der politischen Bühne Athens als Großredner auf. Seitdem Philip von Makedonien in Nordgriechenland und am Hellespont militärische Fortschritte machte, die Athen bedrohten, wandte sich Demosthenes in vielen öffentlichen Reden gegen Philip. Es entstehen u.a. die Philippischen Reden. Die erste Philippika (ca. 350 v. Chr.) entwirft einen strategischen und einen finanziellen Plan erfolgreicher Aktionen gegen Philipp, die zweite (344 v. Chr.) beleuchtet die Situation von Argos und Messene und greift den promakedonischen Wortführer Aischines an. Die dritte Philippika (341 v. Chr.) wirbt für den Zusammenschluss aller Griechen gegen Philipp, die vierte regt eine Koalition mit den Persern gegen die Makedonen an. Natürlich war alles vergebens, nach der Niederlage von Chaironeia (338 v.Chr.) übernahm Philipp die Hegemonie in Griechenland. Die Reden des Demosthenes blieben als ‘Freiheitsreden’ stilbildend von Cicero mindestens bis in die Napoleonzeit.

Texte: Dilts, M.R. 2002-2009. Demosthenis Orationes. 4 Bde., Oxford. Unte, W. 2010. Demosthenes: Politische Reden, übers. v. W.U. Stuttgart.
Literatur: Alexiou, E. 2014. “Demosthenes”. In: Zimmermann, B. & A. Rengakos, eds. Handbuch der griechischen Literatur der Antike. Band 2, München, 799-825. Sealey, R. 1993. Demosthenes and His Time. A Study in Defeat. Oxford. Worthington, I. 2013. Demosthenes of Athens and the Fall of Classical Greece. Oxford.

Mi 12-14, →Agnes

 

Bjelde, Joseph: Plato's Protagoras (PS)
This seminar will be devoted to reading Plato's Protagoras as a unified whole.   We will consider several questions of enduring philosophical interest, including: 
  -How do people become just?  
  -Is there moral expertise, and if so, what is it like?  
  -How should philosophers talk to each other?  
  -What exactly would it mean to say that pleasure is the good, and to whom should hedonism be attributed?  
  -How does Socrates think wisdom is special?  
  -How should we understand the phenomenon of akrasia, commonly translated "weakness of will"?
  -What is courage?

The seminar will be in English, but students who feel more comfortable participating in German are welcome to do so.  Proficiency in Ancient Greek will be helpful but is neither required nor expected.

Mo 14-16, →Agnes

 

Bjelde, Joseph: Plato's Laws (HS)
The Laws is Plato's last, longest, and perhaps least-read work - but it is also his most detailed discussion of many political questions.  But Magnesia, the city whose legislation the interlocutors sketch, is in many ways strikingly different from Kallipolis, the ideal city of the Republic.  Magnesia's human heads of state are not philosopher-kings, but "servants of the Laws," who will treat the populace they rule with a respect unmentioned in the Republic or Statesman.  Among other things, the laws in Magnesia will have prefaces which aim to persuade the populace to follow them.  But the extent to which these novelties represent changes of mind for Plato is hotly debated, and taking part in the debate demands a thorough grasp on a work full of subtleties and challenges for readers of Plato.  So in this seminar we will aim both to understand the Laws itself as well as its place in the Platonic corpus.  Though discussion will be primarily in English, Beiträge auf Deutsch in Wort und Schrift sind sehr willkommen. No Greek is required, but basic familiarity with Plato's Republic will be presupposed.

Mo 10-12, →Agnes

 

van der Eijk, Philip: Forschungskolloquium Antike Medizin- und Wissenschaftsgeschichte (C)

Im Forschungskolloquium präsentieren und diskutieren Teilnehmer und Gäste laufende Forschungstätigkeiten im Bereich der antiken Medizin, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte und ihrer Rezeption. Auch werden griechische und lateinische medizinische Texte, die im Rahmen von aktuellen Forschungsprojekten bearbeitet werden, in einem close reading Verfahren intensiv diskutiert.

Da „Work in Progress“ und andere noch nicht veröffentlichte Materialien vorab zur Vorbereitung unter den Kolloquiumsteilnehmern verteilt werden, ist die Teilnahme am Kolloquium nur nach Vereinbarung mit Prof. Dr. P.J. van der Eijk (philip.van.der.eijk@hu-berlin.de) möglich.

Mo 10-12 s.t., →Agnes

 

Kilic, Sinem: Das andere Selbst: Philosophie der Freundschaft (LK)

Was ist Freundschaft eigentlich und was bedeutet sie für uns? Eine Frage, die durch die Erfahrungen der COVID-19-Pandemie besonders in den Vordergrund gerückt zu sein scheint. Seit jeher gelten Freundschaften als ein wichtiger Bestandteil des Lebens. »Ohne Freundschaft möchte niemand leben«, heißt es bei Aristoteles – ist ein Freund dem Stagiriten zufolge doch nichts Geringeres als »ein zweites Ich«. Durch die ganze Philosophie zieht sich die Hochschätzung dieser Wahlverwandtschaft, immer wieder variiert. 

In diesem Seminar werden wir die lange Geschichte des Freundschaftsbegriffs u. a. auf folgende Fragen hin abklopfen: Welche Rolle spielt Freundschaft in philosophischen Systemen und Theorien? Wie würden wir solche Überlegungen heute, im Lichte neuer, virtueller Formen menschlicher Interaktion, überarbeiten oder aktualisieren? Und was ist der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft?

Die Texte stammen von Platon, Aristoteles, Cicero, Seneca, Plutarch, Aelred von Rievaulx, Thomas von Aquin, Ibn Miskawayh, at-Tūsī, Montaigne, Bacon, Hume, Kant, Emerson, Kierkegaard, Schopenhauer, Nietzsche, Arendt, de Beauvoir, bell hooks, Derrida und Nehamas.

Mo 12-14., →FU

 

Marechal, Patricia: Philosophy of Love and Sex: Historical and Contemporary Perspectives (PS)
In this course, we will focus on philosophical topics surrounding love and sex. We will touch on these issues by examining both historical and contemporary texts, ranging from Plato and Aristotle to contemporary philosophers, such as Langton, Srinivasan, and Zheng. We will discuss love and sex from a number of different angles and perspectives. We will, for example, address the nature of love both as a mental and social phenomenon, the ethics and politics of love and sex, and the linguistic categories and concepts we use to discuss these issues. This course will help you develop skills fundamental to philosophy, such as understanding, reconstructing, and criticizing arguments. You will also develop tools that might be useful for thinking about your and other people's love and sex lives.

Mo 12-14, →Agnes

 

Marechal, Patricia: Aristotle's Ethics and Politics (HS)
In this course, we will focus on Aristotle's approach to ethical and political questions, and their place in his philosophical system. We will investigate these issues through a careful reading of Aristotle's two major works in practical philosophy, the Nicomachean Ethics and the Politics. The central topics we will explore include the nature of virtue and how to develop it, the best life for a human being, the relationship between reason and virtue, the role of pleasure and emotions in a good life, the centrality of friendship, justice and its relationship to the political life, the structure of different political systems, the role of women in the polis, and what makes a state flourish.

Di 10-12, →Agnes

 

Menn, Stephen: Plotinus on the Kinds of Being (HS)

Our main aim is to work through together as much as possible of Plotinus' three-book treatise On the Kinds of Being (Ennead VI, books 1-3), which includes a detailed criticism of Aristotle's Categories and an attempt to construct a new doctrine of the highest genera or kinds of being, and of their function as principles of other beings, out of Plato's Sophist. To make sense of this treatise, we will have to look not only at the primary texts that Plotinus is responding to, but also at Plotinus' philosophical program as he sets it out in easier treatises. Plotinus typically writes treatises "On F" in which, for some value of F, he investigates whether F exists "there" (= in the intelligible world), and, if so, in what ways it is like or unlike F "here" (= in the sensible world); in the process, he may also have to critically reexamine what F is "here." In all these treatises Plotinus tries to construct and defend a systematic Platonist account of the sensible and the intelligible worlds, answering traditional philosophical problems and trying to bring the reader to an intellectual grasp of the realities described. We will be concerned not only with his arguments but also with his interpretations of Platonic texts and his strategies for responding to Aristotle and the Stoics. In "easy," often early, treatises, Plotinus typically adapts Aristotelian arguments (often turning on the priority of actuality to potentiality) in order to defend, against Stoics and Stoicizing interpretations of Plato, a "high" doctrine of incorporeal principles (quality, soul, Nous, etc.): that is, he defends the distinctness of these different levels of being and avoids attributing to higher levels of being predicates appropriate only to lower levels, e.g. avoids describing souls as spatially extended or Nous as beginning to act in time, even when Plato apparently describes them in this way. Of these treatises we will read at least V,9, On Nous, Ideas and Being. In "hard," often later, treatises, including On the Kinds of Being, Plotinus tries to elaborate and defend a richer, distinctively Platonist, description of the intelligible world, against Aristotle's attempt to collapse it to a simple Nous without potentiality, motion, part-whole structure, or sufficient complexity to be a model for the sensible world. In On the Kinds of Being he uses a rethinking of Aristotle's thesis of the identity of knowledge with its object, and of Aristotle's thesis that the genus is a potentiality and the differentia is its actualization, to defend against Aristotle's challenges the Platonic claims that the genera are principles of other beings, that being itself is a genus, and that both motion and rest exist in the intelligible world. Besides this positive part of On the Kinds of Being, we will also look at some of Plotinus' criticisms of Aristotle's categories, and, if time permits, at some later neo-Platonist defenses of Aristotle against Plotinus, including Plotinus' criticism and Iamblichus' defense of Aristotle's distinction between activity and motion.

    This seminar will not work as an introduction to Greek metaphysics. We will presuppose knowledge of Aristotle, specifically the Categories, also De Anima III,4-5 and Metaphysics Θ and Λ, and of Plato, specifically the Sophist, although we will review crucially important passages of Plato and Aristotle together with the texts of Plotinus. Prof. Menn intends to speak in English, but the discussion may go back and forth between English and German. Knowledge of Greek is helpful but not presupposed (beyond the alphabet), but students must be ready to listen to discussions of the meanings of Greek technical terms, and to borrow those terms into English or German for the duration of the seminar. Students will have to actively participate in discussion, to have done the assigned reading before each meeting, and to have the texts in class and be ready to answer questions about them. The texts and assigned readings will be made available on a website which students will have to sign up for on the first day of class.

Mi 18-20, →Agnes

 
Mühlethaler, Lukas: Introduction to the History of Jewish Knowledge (V)
The lecture course uses questions and methods from the history of knowledge ("Wissensgeschichte") for an introduction to various traditions of Jewish knowledge. Using examples from antiquity to the present, we examine forms and contents of knowledge, how knowledge is produced and accumulated, who serves as carriers of knowledge, the various social contexts of knowledge, how knowledge is communicated and disseminated, and how knowledge is applied. We will not be treating "Jewish knowledge" as a fixed category. Instead, we will try to understand the processes through which contents and forms of knowledge are considered and accepted as "Jewish". Thus, the lecture course both serves as an introduction to various traditions of Jewish knowledge and questions the parameters which have made their constitution as traditions of Jewish knowledge possible. If Covid-19 restrictions in place mid-October allow for it, participants from Berlin will meet in-person for the first session in the room indicated. Please get up-to-date information from Blackboard or write the instructor.

Di 12-14, →FU

 

Lo Presti, Roberto: Platon, Timaios (HS)

Der Timaios ist ein Spätwerk Platons und einer seiner faszinierendsten, aber auch unzugänglichsten Dialoge. Platon präsentiert in diesem Werk, das zum größten Teil aus einem langen Monolog des Gesprächspartners Timaios von Lokroi besteht, seine Naturphilosophie.
Der Dialog entfaltet nach und nach ein komplettes Bild des Kosmos von der Entstehung der Himmelskörper bis hin zu den Angelegenheiten der Menschen. Dabei ist für Platon die Frage nach der Weltentstehung direkt mit der nach dem richtigen Leben verknüpft: Der Dialog zeigt auf, wie intelligible Struktur, und damit das Gute, in die wahrnehmbare Welt gekommen ist. Die Grundfigur der Erzählung ist die eines teleologischen Schöpfungsmythos: Der Demiurg, Platons göttlicher Weltenbauer, bringt Ordnung, Struktur und Regelmäßigkeit in die Welt, weil es gut so ist. Am Ende der Schöpfung steht der durch Harmonie und Proportion gekennzeichnete Kosmos. Allerdings schafft der göttliche Handwerker den Kosmos nicht aus dem Nichts heraus; er ist gezwungen, mit vorgefundenen Materialien umzugehen. Unter den Bedingungen der widerständigen Natur des noch ungeformten und chaotischen Materials richtet der Demiurg daher alles so weit gut ein, wie die Beschaffenheit des vorgefundenen Materials es zulässt. Unter diesen Vorgaben liefert der Timaios eine Kosmogonie und Kosmologie, die Lehre von den vier Elementen, eine geometrische Polyedertheorie, Theorien von Raum und Zeit und schließlich eine Anthropologie. Im Seminar werden wir versuchen, eine philosophiegeschichtliche und eine systematische Betrachtung aller dieser Aspekte zu verknüpfen.

Das Seminar wird stark diskussionsorientiert sein und setzt deshalb eine aktive Teilnahme voraus. Es wird erwartet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe des Semesters zumindest ein Referat halten, und selbstverständlich sollen auch alle mit Fragen und Beiträgen regelmäßig zur Diskussion beitragen.

Die Kenntnis der griechischen Sprache ist willkommen, aber nicht erforderlich. Wir werden Platons Text in deutscher Übersetzung lesen, wobei wir auf den griechischen Text in systematischer Weise verweisen werden, um Kernbegriffe zu verdeutlichen und theoretisch relevante textuelle Schwierigkeiten bzw. Unklarheiten zur Sprache zu bringen.

Mo 16-18, →Agnes

 

Lo Presti, Roberto: Cicero, Tusculanae Dispuatationes (Ü)

Ciceros ‚Tusculanae disputationes‘, entstanden 45 v.Chr., zählen zweifelsfrei zu den bedeutendsten Texten der antiken Philosophie. In fünf Büchern beschäftigt sich Cicero mit grundlegenden Fragen von Lebensführung und Ethik, u.a. mit dem richtigen Umgang mit verschiedenen Leidenschaften und Ängsten (wie etwa der Furcht vor Schmerz und Tod) sowie mit dem Verhältnis von Glück und Tugend. Dabei knüpft er inhaltlich an seine Darstellungen der verschiedenen antiken Philosophenschulen und ihrer ethischen Entwürfe an, wie er sie in der kurz zuvor verfassten Schrift ‚De finibus bonorum et malorum‘ vorgelegt hat. Während Cicero in De finibus zeigen will, anhand welcher Kriterien die Richtigkeit einer Handlung abgewogen werden muss, und sich bemüht darzustellen, dass das tugendhafte, also ethisch korrekte Handeln zum „Lebensglück“ oder zur „Glückseligkeit“ gereicht, verdeutlicht Cicero in den ersten zwei Büchern der Tusculanae, dass auch Tod und Schmerz nicht imstande sind, dieses durch gute Handlungen erreichte Lebensglück zu ruinieren. Buch III und IV beschreiben, dass und wie Leidenschaften oder Emotionen zu bewältigen sind. Buch V knüpft thematisch wieder an De finibus an: Beweisziel ist die glückskonstituierende Kraft des guten Handelns, zugespitzt auf die These, dass der vollkommen tugendhafte Weise selbst unter der Folter noch glücklich sei. Cicero ist hier vielleicht mehr als in De finibus darauf aus, zu belegen, dass dieses „Glück“ auch gefühlt werden kann.

Im Seminar werden wir ausgewählte Stellen aus allen fünf Büchern in Betracht ziehen.
Eine vollständige Literaturliste wird am Anfang des Semesters zur Verfügung gestellt.

Mo 8:30-10, →Agnes

 

Lo Presti, Roberto: Isokrates, Antidosis (Ü)

Die Antidosis-Rede des Isokrates ist eine nicht gehaltene, fiktive Gerichtsrede, die der Redner 354/353 v. Chr. verfasste, ein autobiographisches Alterswerk, in dem Isokrates gegen die Anklage wegen seines verderblichen Einflusses auf die Jugend sein Leben, seinen – nach seiner Ansicht häufig verkannten – Charakter und die Grundlagen seines Bildungskonzepts der athenischen Öffentlichkeit in lobpreisenden Tönen ausführlich darstellt. Durch ihren autobiographisch-historischen Wert ist die Rede ein interessantes Dokument der Literatur des 4. Jh. v. Chr, dessen kulturgeschichtliche Bedeutung dadurch verstärkt wird, dass Aristoteles seinen Protreptikos als Aufruf zur Philosophie mit höchster Wahrscheinlichkeit als polemische Antwort auf die Antidosis-Rede des Isokrates verfasst hat.

In diesem Seminar werden wir es versuchen, nachzuvollziehen, wie Isokrates die Verknüpfung zwischen Redekunst und Bildung auffasste und wie sich das isokratische Bildungsideal im Verhältnis zu und in polemischer Auseinandersetzung mit dem platonischen Bildungsideal einerseits und der Sophistik andererseits entwickelte.

Eine vollständige Literaturliste wird am Anfang des Semesters zur Verfügung gestellt.

Mo 14-16, →Agnes

 

Roling, Bernd: Forschungskolloquium Latinistik und Mittellatein (C)

Di 18-20, →FU

 

Schriefl, Anna: Economic Justice (PS)
This course explores philosophical theories of economic inequality. Some authors claim that economic inequality is beneficial for communities and compatible with well-reflected norms of social justice; others are critical of economic inequality, suggesting that uneven distribution of wealth is inherently unjust or harmful and creates political instability. We will first look into some classic positions on the topic (Plato, Smith, Marx, Rawls) and then explore contemporary philosophical debates on intergenerational justice, poverty, duties of aid, and reparations.

Mi 10-12, →Agnes

 

Wilberding, James: VEV Einführung in den Neuplatonismus (V)
Der Terminus ‚Neuplatonismus’ als Bezeichnung für die Philosophie Plotins und seiner Nachfolger taucht zum ersten Mal am Ende des 18. Jahrhunderts auf. Plotin (ca. 205-270 n.Chr.), der als der Gründer dieser philosophischen Tradition gilt, sah sich nicht als ‚Neuplatoniker’, sondern einfach als Platoniker, d.h. als jemand, der in Übereinstimmung mit Platon philosophiert, und er und seine Nachfolger haben sich mit ihrem Platonbild so erfolgreich durchgesetzt, dass in der Spätantike, im Mittelalter und in der Renaissance Platon nur nach dieser neuplatonischen Prägung verstanden wurde. Und nicht nur Platon: auch die Schriften von Aristoteles wurden in der Regel nach neuplatonischen Lesarten interpretiert. Somit kann man den Neuplatonismus zu den einflussreichsten Bewegungen der Philosophiegeschichte zählen. In dieser Veranstaltung werden zentrale Texte (u.a. von Plotin, Porphyrios, Proklos, Philoponos) und Themen (Metaphysik, Seelenlehre, Ethik, Naturphilosophie) aus dem Neuplatonismus vorgestellt. Alle Texte werden in der Übersetzung gelesen, es sind keine Altgriechisch-Kenntnisse erforderlich.
Literatur:

J. Dillon and L.P. Gerson, Neoplatonic Philosophy: Introductory Readings (Indianapolis: 2004).

L. Gerson (ed.), The Cambridge History of Philosophy in Late Antiquity, 2 vols (Cambridge: 2010)

J. Halfwassen, Plotin und der Neuplatonismus (München: 2004).

P. Remes, Neoplatonism (Stocksfield: 2008).

A. Smith, Philosophy in Late Antiquity (London: 2004).

Di 10-12, →Agnes

 

Wilberding, James: Asclepius on Aristotle's Metaphysics Zeta (HS)
This seminar provides an opportunity to graduate students and advanced undergraduates with knowledge of ancient Greek (required!) to gain first-hand experience in working on the ancient commentators on Aristotle.  Together we will slowly work through the commentary on Metaphysics Z written by Asclepius of Tralles in the 6th century C.E. though based on a lecture series by his teacher, Ammonius Hermeiou of Alexandria (c. 435/445 –517/526 C.E.), which has not yet been translated into any modern language, translating, and discussing each line of text as we go along.  The goal is to complete a publishable translation for the Ancient Commentators on Aristotle series, and to come to a better understanding of Asclepius’ and Ammonius’ account(s) of substance, with a particular focus on the Neoplatonic influence on their thought.

Mi 10-12, →Agnes

 

Wilberding, James: Philosophie der Literatur (PS)
In diesem Seminar werden wir uns mit einer Auswahl von Themen aus der (eher analytischen) Philosophie der Literatur beschäftigen.  Bei der Philosophie der Literatur, die von „Philosophie in der Literatur“ oder „Philosophie und Literatur“ zu unterscheiden ist, geht es um eine Reihe von philosophischen Fragen über die Natur und den Wert der Literatur, die diverse Bereiche der Philosophie umfassen, z.B. Ontologie und Metaphysik (Was ist Literatur?  Existieren fiktive Figuren?  Was für eine Entität ist ein literarisches Werk?), Hermeneutik und Sprachphilosophie (Sind die Intentionen des Autors/der Autorin für die Auslegung seines/ihres Werkes relevant?  Kann es mehr als eine korrekte Interpretation eines Werkes geben?) Philosophie des Geistes (Ist es überhaupt möglich, wahre Emotionen bei der Lektüre zu empfinden?  Hilft die Literatur uns sogar, uns von unseren lästigen Emotionen gleichsam zu reinigen oder werden wir noch emotionaler durch unsere Beschäftigung mit der Literatur?  Welche Rolle spielt die Imagination beim Lesen?) und Ethik (Verhilft die Lektüre der Literatur dazu, uns zu besseren Menschen zu machen?  Können wir überhaupt von der Literatur etwas lernen?).   Interessierte Studierende sollten in der Lage sein, jede Woche philosophische Texte im Umfang von ca. 20 Seiten auf Englisch zu lesen, um diese dann im Seminar zu besprechen. 

Neben wichtigen Aufsätzen  aus der Gegenwartsphilosophie werden auch klassische Texte aus der antiken Philosophie herangezogen.  Zur vorbereitenden, bzw. begleitenden Lektüre empfehle ich:

Peter Lamarque.  The Philosophy of Literature.  Blackwell 2009.

Mo 16-18, →Agnes

 

Wilberding, James, van der Eijk, Philip: Colloquium on Ancient Philosophy (C)

This colloquium will focus on topics in ancient philosophy and science, and it is intended for students specializing in ancient philosophy or science. This will be the regular colloquium of the Graduate School in Ancient Philosophy / Research Training Group “Philosophy, Science and the Sciences” in Winter 2018-2019. We will discuss work in progress from both regular participants and visiting speakers. Students other than GSAP/RTG students who wish to participate should contact James Wilberding prior to the start of the semester.

Di 14-16, →Agnes